Regensburger facetten


 

Die Vortragsreihe im Schreiberhaus.

 

Termine 1. Halbjahr 2026:

 

05. Februar

 Sabina Cipra                                                                              

 „Über die Steinerne Brücke. Facetten eines Bauwerks“

 

05. März

 Isabell Hesse

 "Testatorin - Vollstreckerin - Zeugin - Erbin: Frauentestamente und Frauen in Testamenten im spätmittelalterlichen Regensburg"

 

02. April

 Sophie Singer

 „Weltabkehr und Jenseitsblick. Zur Bildsymbolik und Objektgeschichte von Albrecht Altdorfers Epitaphtafel „Die beiden Johannes““

 

07. Mai

 Nina Kulig

 "Die St. Katharinenspitalstiftung Regensburg im Nationalsozialismus".

 

04. Juni

 Dr. Fabian Hutmacher

 „Ich erinnere, also bin ich? Gedächtnis und Identität im Angesicht demenzieller Erkrankungen“

  

Beginn jeweils 19 Uhr. Der Raum ist barrierefrei. Keine Anmeldung nötig. Teilnahme kostenfrei.

 

Im Schreiberhaus

 St. Katharinenplatz 5

 93059 Regensburg

 +49 1578 5576973

 www.schreiberhaus-regensburg.de 


Juni


Mai

Thematisch passend zum 800jährigen Jubiläum der St. Katharinenspitalstiftung stellte Nina Kulig die Ergebnisse ihrer preisgekrönten Bachlorarbeit zum "St. Katharinenspital in der NS-Zeit" vor. Anhand von Archivalien des St. Katharinenspitalarchivs wie beispielsweise Spitalratsprotokollen belegte sie, wie nicht nur die wirtschaftliche Lage der Stiftung gefährdet wurde durch die Machtergreifung, sondern vor allem auch ihre christlich-caritative Ausrichtung. Sie stellte den damaligen Spitalmeister Wilhelm Leingärtner als umstrittene Persönlichkeit vor, der als einflussreicher Hauptakteur für das Handeln und (Gegen-)Wirken der Stiftung verantwortlich zeichnete. 

Frau Kulig ging nicht nur auf wirtschaftliche und geistliche Aspekte ein, sondern vervollständigte das Bild mit kommunalpolitischen und kirchenpolitischen Aspekten.


April

Den Vortrag im April bestritt Sophie Singer, M. A., die ihre  nur Forschungsergebnisse aus ihrer universitären Abschlussarbeit zu dem Epitaphretabel "Die beiden Johannes" von Albrecht Altdorfer darlegte.

Zunächst wies sie darauf hin, dass der allgemein genutzte Titel falsch sei, da ursprünglich noch ein dritter Johannes zu sehen gewesen sei. Das Retabel wurde jedoch in der Vergangenheit beschnitten und seither fehlt der Auftraggeber dieses Objekts, der 1505 verstorbene Regensburger Gelehrte Johannes Trabolt.

Ursprünglich handelt es sich nämlich um ein Epitaph, diente also der Totenmemoria für den Stifter Trabolt. Frau Singer zeichnete die bewegte Geschichte des Objekts nach, das urspünglich oberhalb der Tür zum Kreuzgang in St. Emmeram hing, zuletzt 1927 nur unvollständig restauriert wurde und heute als Dauerleihgabe des St. Katharinenspitals im Historischen Museum der Stadt Regensburg ausgestellt ist. Der Vortrag war äußerst informativ und machte große Lust sich näher mit dem Gemälde zu befassen.


März

Nach einer kurzen Einführung zu den mittelalterlichen Bürgertestamenten der Stadt Regensburg (Es sind mehr als 200 Stück aus dem 414.+15. Jht. erhalten!), gliederte sich der Vortrag in vier Teile: Frauentestamente und Frauen IN Testamenten, Frauen als Testamentsvollstreckerinnen, Frauen als Zeuginnen in Testamenten sowie Frauen als Erbinnen. 

Frauentestamente sind hauptsächlich von Witwen erhalten ,da diese eine besondere rechtliche Stellung unabhängig von einem männlichen Vormund besaßen. 

Bereits VOR 1320, dem Zeitpunkt der ersten erhaltenen schriftlichen Regelung von Testamenten in Regensburg, sind Frauen als Vollstreckerinnen belegt. Testatorinnen wählten häufiger weibliche Testamentsvollstrecker und setzten auch häufiger Frauen aus dem breiteren sozialen Umfeld als Erbinnen ein, wohingegen Männer eher die unmittelbare Verwandschaft als Erben einsetzten.

Frau Hesse gestaltete den Vortrag überaus kurzweilig und belegte ihre Forschungsergebnisse mit interessanten Beispielen. Ein besonderes Schmankerl des Vortrags war die Leihgabe des St. Katharinenspitalarchivs SpAR Urk. 1555: Im Anschluss an den gutbesuchten Vortrag konnte das Orginaltestament der Diemut Löbl von 1346 mit drei originalen Siegeln besichtigen, was mit großem Interesse von Seiten der Zuhörer wahrgenommen wurde.


Februar

Am 05. Februar war der Auftakt zur neuen Vortragsreihe des Schreiberhauses. Unter dem Titel "Die Steinerne Brücke. Facetten eines Bauwerks" entspann die Referentin, Frau Sabina Cipra (M.A.), einen wahren Krimi: Zunächst wurde die Brücke (technisch) beschrieben und Informationen zu Bauzeit und Vorgängerbrücken bzw. Nachbauten gegeben. Ausgiebig erläuterte Fr. Cipra den mitteleuropäischen Kontext des Bauwerks, seine Strahlkraft und Bedeutung. Anschließend ging die Referentin auf die breitgefächerten Funktionen der Brücke ein wie beispielsweise Richtstätte, Gebetsstätte, Arbeitsplatz, Shopping Mall u. v. m., bevor sie dann ausführlich die Frage nach Aufstellungsort und Identität der noch erhaltenen Brückenfiguren beleuchtete. So manche Zuhörerin ertappte sich dabei den Atem anzuhalten als Theorien aufgestellt, erklärt, bewertet und wieder verworfen wurden. Auch die Archäolog(inn)en im Raum waren begeistert von der Bandbreite der gezeigten Darstellungen der Brücke über die Jahrhunderte hinweg.